Barsbüttel. Die finanzielle Lage der Gemeinde Barsbüttel ist angespannt. Das wurde bei der Einwohnerversammlung am 11. Dezember deutlich, zu der mehr als 120 Bürgerinnen und Bürger gekommen waren. Bürgermeister Thomas Schreitmüller, Bürgervorsteher Henri Schmidt und Kämmerin Anika Gudat-Liper stellten die aktuelle Haushaltslage vor und zeigten auf, vor welchen finanziellen Entscheidungen die Gemeinde in den kommenden Jahren steht.
Hohe laufende Ausgaben
Die laufenden Aufwendungen der Gemeinde belaufen sich aktuell auf rund 51,1 Millionen Euro pro Jahr. Der größte Teil dieser Summe entfällt auf Pflichtaufgaben, die gesetzlich vorgegeben sind und sich nur begrenzt beeinflussen lassen.
Besonders hohe Ausgaben entstehen in folgenden Bereichen:
- Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (Kitas, Offene Ganztagsschule, Spielplätze): rund 14,6 Millionen Euro jährlich
- Schulen und Sporthallen: etwa 7,0 Millionen Euro pro Jahr
- Soziale Hilfen (Grundsicherung, Flüchtlings- und Wohnungslosenhilfe): rund 5,9 Millionen Euro jährlich
- Allgemeine Finanzwirtschaft (Umlagen, Zinsen): mehr als 10,2 Millionen Euro pro Jahr
- Allein diese vier Bereiche machen den Großteil des Haushalts aus.
Steigender Zuschussbedarf für Schulen und Kitas
Ein zentrales Thema der Versammlung war der Zuschussbedarf für den Betrieb von Schulen und Kitas. Dieser liegt inzwischen bei über 11 Millionen Euro pro Jahr. Seit 2007 hat sich dieser Betrag mehr als verdreifacht.
Zum Vergleich:
2007: rund 3,5 Millionen Euro 2025 (Plan): rund 11,6 Millionen Euro
Die Steuereinnahmen der Gemeinde sind im gleichen Zeitraum zwar gestiegen, jedoch deutlich langsamer als die Ausgaben für Bildung und Betreuung. Diese Entwicklung belastet den Haushalt dauerhaft.
Schuldenstand bereits deutlich gestiegen
Auch die Verschuldung der Gemeinde ist in den vergangenen Jahren stark angewachsen. Während Barsbüttel 2017 noch bei rund 8 Millionen Euro Schulden lag, beträgt der Schuldenstand aktuell etwa 25,1 Millionen Euro.
Damit hat sich die Verschuldung innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht. Der finanzielle Handlungsspielraum der Gemeinde ist entsprechend eingeschränkt.
Große Investitionen stehen bevor
Zusätzlich zu den laufenden Kosten stehen mehrere große Investitionsvorhaben zur Diskussion, die für die Infrastruktur der Gemeinde wichtig sind. Dazu zählen:
Erweiterungen und Mensabauten an Grundschulen: rund 5,6 Millionen Euro Eigenanteil Erweiterung der Erich-Kästner-Gemeinschaftsschule: etwa 18,8 Millionen Euro Neubau Feuerwehrgerätehaus Stemwarde: rund 3,3 Millionen Euro Feuerwehrgerätehaus Willinghusen: rund 4,4 Millionen Euro Sanierung der Schwimmhalle: rund 6,2 Millionen Euro
Insgesamt beläuft sich das Investitionsvolumen auf rund 38,3 Millionen Euro.
Dauerhafte Mehrkosten durch Investitionen
Die Verwaltung machte deutlich, dass Investitionen nicht nur einmalige Ausgaben sind. Sie führen zu dauerhaft höheren Kosten. Für Zinsen, Abschreibungen sowie zusätzliche Betriebs- und Instandhaltungskosten rechnet die Gemeinde mit jährlichen Mehraufwendungen von rund 2,6 Millionen Euro.
Diese zusätzlichen Kosten müssten dauerhaft aus dem laufenden Haushalt finanziert werden.
Wo gespart wird – und wo kaum Spielraum ist
Große Einsparpotenziale sieht die Verwaltung kaum, da viele Ausgaben gesetzlich vorgeschrieben sind. Dennoch wird geprüft und bereits gehandelt:
Freiwillige Leistungen wie Kulturangebote oder Zuschüsse stehen regelmäßig auf dem Prüfstand Investitionen werden priorisiert, gestreckt oder verschoben Verwaltungsabläufe und Personalkosten werden überprüft Instandhaltungsmaßnahmen werden teilweise verschoben, was langfristig höhere Kosten verursachen kann
Entscheidungen mit langfristigen Folgen
Bei der Einwohnerversammlung wurde deutlich, dass Barsbüttel vor grundlegenden Weichenstellungen steht. Welche Investitionen umgesetzt werden können und welche Leistungen langfristig erhalten bleiben, hängt davon ab, wie tragfähig der Haushalt künftig bleibt.
Die vollständige Präsentation zur Finanzlage ist auf der Internetseite der Gemeinde Barsbüttel öffentlich einsehbar. Sie zeigt detailliert, vor welchen finanziellen Herausforderungen die Gemeinde in den kommenden Jahren steht.
